Hartboden ist die klarste Stärke
Auf Fliesen, Holz, Vinyl und anderen versiegelten Hartböden fällt das Bild am stabilsten aus. COMPUTER BILD sammelte in seinem Protokoll 98,3 von 100 Gramm Testschmutz ein; auch RTINGS und weitere Redaktionen bewerten die tägliche Aufnahme auf Hartboden positiv. Tiefe Fugen gelangen dem Spot+Scrub Ai bei Vacuum Wars sogar besser als dem dortigen Klassendurchschnitt.
Das heißt nicht, dass Sockelleisten und Ecken automatisch perfekt werden. Die ausfahrbare Wischwalze hilft beim feuchten Reinigen entlang der Wand, doch die beiden Seitenbürsten fahren nicht aus. Mehrere Tests fanden deshalb Reste in Ecken oder unmittelbar an Kanten. Wer dort makellose Ergebnisse erwartet, muss weiterhin punktuell nacharbeiten.
Teppich und Tierhaare sind solide, aber kein Spezialgebiet
Der Roboter erkennt Teppich, hebt die Nasswalze und erhöht die Saugleistung. In Vacuum Wars' Tiefenreinigungstest nahm er 76 Prozent des eingebetteten Schmutzes auf, bei einem damaligen Testdurchschnitt von 78 Prozent. Bei eingearbeitetem Tierhaar waren es 81 statt 82 Prozent. Das ist brauchbar, aber nicht die Spitzenleistung, die der hohe Preis und die Staubsauger-Tradition der Marke erwarten lassen.
Auch die Entwirrung verdient einen nüchternen Blick. Vacuum Wars maß bei langen Haaren 31 Prozent Umwicklung an der Hauptbürste gegenüber 26 Prozent im Durchschnitt. Die Bürste lässt sich zur Reinigung entnehmen, doch Haushalte mit langen Haaren oder vielen Teppichen sollten nicht von einer pflegefreien Lösung ausgehen. Auf überwiegend hartem Boden mit täglichem Tierhaar bleibt der Roboter sinnvoller als in einem teppichlastigen Zuhause.
Navigation ist strukturiert, Hinderniserkennung aber szenenabhängig
Das integrierte dToF-LiDAR sitzt ohne Turm im Gehäuse und erstellt geordnete Karten. Räume, Sperrzonen, Zeitpläne und gezielte Reinigungen lassen sich in der App verwalten. Vacuum Wars maß eine Navigationseffizienz von 0,57 Quadratmetern pro Minute gegenüber 0,71 im damaligen Mittel. Der Dyson findet seinen Weg, gehört aber nicht zu den schnellen Modellen.
Bei Hindernissen widersprechen sich die Tests. In einem standardisierten Parcours vermied er viele Objekte, während COMPUTER BILD und SmarthomeAssistent Berührungen mit kleinen Testgegenständen oder problematischen Stuhlgestellen beobachteten. Daraus folgt keine pauschale Fehlerquote. Praktisch bedeutet es: Kabel, sehr kleine Teile und empfindliche Gegenstände sollten vor dem Lauf weiterhin vom Boden verschwinden.
Elf Zentimeter Höhe und eine große Station verlangen Maßarbeit
Mit 11 cm Bauhöhe fährt der Roboter nicht unter jedes Sofa oder Sideboard. SmarthomeAssistent zeigte anschaulich, dass eine 10 cm hohe Strebe unpassierbar war, während eine 12 cm hohe Platte erreichbar blieb. Vor dem Kauf lohnt sich deshalb eine Messung an den Möbeln; ein Zentimeter kann über eine komplett ausgelassene Fläche entscheiden.
Auch die Station ist mit 44 cm Breite, 50,8 cm Tiefe und 45,4 cm Höhe kein unauffälliger Ladepunkt. Dazu kommt Platz, um Tanks und Behälter zu entnehmen. Türschwellen von ungefähr 20 mm bewältigte das Gerät in unabhängigen Tests, höhere oder ungünstig geformte Übergänge können den Grundriss dagegen in getrennte Reinigungszonen teilen.
Die App deckt das Wesentliche ab, nicht jede Premiumfunktion
MyDyson bietet Karten, Raumreihenfolge, Sperrzonen, Zeitpläne, Echtzeitberichte sowie verschiedene Saug-, Wisch- und Feuchtigkeitsstufen. Das reicht für typische Routinen. RTINGS und Vacuum Wars sehen bei Fernsteuerung, Kartenbearbeitung und Spezialfunktionen aber weniger Tiefe als bei einigen etablierten Robotikmarken.
Beim Datenschutz verspricht Dyson lokale Bildverarbeitung und erklärt, dass Menschen oder Gesichter nicht aufgezeichnet werden. Gleichzeitig nennt der Hersteller verschlüsselte Datenübertragung für bestimmte Geräte- und Servicefunktionen. Das ist transparenter als ein pauschales Cloud-Versprechen, ersetzt aber keine unabhängige Sicherheitsprüfung. Wer Kameras im Wohnraum grundsätzlich ablehnt, bekommt mit diesem Modell keinen passenden Kompromiss.
Akku: 110 oder 200 Minuten?
Die deutsche Dyson-Seite nennt im Produkttext bis zu 110 Minuten und führt in der technischen Tabelle sowie im FAQ 200 Minuten auf. Beide Angaben stehen gleichzeitig auf derselben Seite; 200 Minuten als gesicherte Alltagslaufzeit zu übernehmen wäre deshalb unseriös. Modi, Bodenarten, Hindernisse und Rückfahrten zur Station verändern den Verbrauch zusätzlich.
Unabhängige Einschätzungen reichen von guter Reichweite bis zu langen Gesamtdurchläufen mit Zwischenstopps. Für große Wohnungen ist wichtiger, dass der Roboter laden und fortsetzen kann, als eine einzelne Maximalzahl. Wer eine komplette große Etage in einem schnellen Durchgang erwartet, sollte diese offene Frage als echten Vorbehalt werten.
Warum die Wischtests so stark auseinandergehen
Die Spannweite reicht von sehr guter Entfernung getrockneter Flecken bis zu Rückständen, ausgelassenen Stellen und problematischem Umgang mit Flüssigkeit. Das ist kein Detail: Die Wischfunktion ist ein Hauptgrund, diesen Dyson statt des älteren 360 Vis Nav zu wählen. Ein pauschales „wischt hervorragend“ wäre ebenso ungenau wie ein pauschales „wischt schlecht“.
Art und Trocknungsgrad des Flecks, Boden, Wasserstufe, Reinigungsmittel, Firmware und Testablauf sind plausible Einflussgrößen. Aus den Veröffentlichungen lässt sich aber keine einzelne Ursache beweisen. Unser Urteil bleibt deshalb bewusst konditional: Für regelmäßige leichte Hartbodenpflege ist die Walze technisch durchdacht; für hartnäckige Flecken und unbeaufsichtigte Flüssigkeiten ist manuelles Nacharbeiten weiter einzuplanen.